(Von Kerstin Arenz)

Nach dem Gold-Coup im vergangenen Jahr in Dresden war für unsere Jugend klar: Titelverteidigung! Doch diesmal sollte Waldtrudering nicht nur mit den Titelträgern antreten. Angesteckt von den Geschichten und dem Erfolg des Vorjahres machten sich gleich drei Mannschaften auf den Weg nach Hannover – Jugend, Master und Master-Mixed. Das Ziel? Natürlich möglichst viele Pfeile ins Gold. Das Abenteuer begann schon lange vor dem ersten Schuss.

Wochenlang hieß es: Kerstin, bloß die Anmeldung nicht verpassen!“ Als im April endlich die erlösende Nachricht kam, dass sich alle drei Teams qualifiziert hatten, ging alles ganz schnell. Hotel buchen, Fahrgemeinschaften organisieren, Material prüfen – und natürlich Restaurants aussuchen. Denn gute Ergebnisse schießt man bekanntlich nicht mit leerem Magen.

Am 22. Juli rollte der Waldtruderinger Tross Richtung Hannover. Zumindest fast. Die erste echte Disziplin des Wochenendes hieß nämlich „Reichweitenpoker mit dem Elektroauto“. Udo und Christian spielten dabei in der Königsklasse. Mit sage und schreibe 0 % Restakkuerreichten sie die Ladesäule. Christian dürfte in diesen Minuten mehr Puls gehabt haben als später im Wettkampf. 

Alle kamen dann doch in Hannover an und nach einem gelungenen Abend beim Vietnamesen, organisiert dank Nóras Restauranttipps, gab es für alle Schützen noch einen kleinen Glücksbringer: ein eigens für die Finals gestaltetes Lube Tube. Ob Aberglaube oder nicht – schaden konnte es jedenfalls nicht.

Recurve Master Mixed - Simone, Udo und Trudi

Am Donnerstag begann der Wettkampf für Udo und Simone im Master-Mixed. Während Kerstin gleichzeitig zwei Teams coachte und gefühlt einen Halbmarathon absolvierte, hielten ihr später Johannes und Christian als Co-Trainer beim Master- Mixed-Team den Rücken frei. 

Sportlich legte das Master-Mixed mit Udo und Simone einen starken Auftritt hin. Platz 13 in der Qualifikation bedeutete den Einzug ins Achtelfinale. 

Dort wartete der Kölner Klub für Bogensport. Es wurde ein hart umkämpftes Match, doch am Ende fehlte das Quäntchen Glück. Der Wettkampf war damit für unser Mixed-Team beendet – allerdings nur für dieses Jahr – denn eine Entscheidung fiel sofort: 

Nächstes Jahr greifen wir wieder an!

Auch abseits des Wettkampfes wurde Teamgeist großgeschrieben. Aus einer Reservierung für 16 Personen machte Kerstin kurzerhand eine für 30, damit auch die Ebersberger Schützen nicht hungrig ins Bett mussten. Im Steakhaus saßen anschließend Recurver und Compounder, aus Germering, Ebersberg, Waldtrudering, vom BC Ismaning und von den Old Men Archery, bunt gemischt zusammen. Selbst Udo überstand den Abend mitten unter den Compound-Schützen, obwohl dort schon erste Abwerbeversuche gestartet wurden. Udo blieb standhaft bei olympisch Recurve.

Der Freitag gehörte Johannes, der gemeinsam mit Lilli Stammberger im Jugend-Mixed für den FSG Tacherting antrat. Platz sechs in der Qualifikation, souverän ins Viertelfinale – dort war dann zwar Endstation, doch der Fokusder Beiden lag dann sofort auf der am Samstag folgendenTeamqualifikation.

Die Titelverteidigung beginnt

Unsere Recurve Teams Jugend und Master
v.l.n.r.: Christian, Julian, Johannes, Udo Jari und Martin

Der Samstag gehörte unserer Jugendmannschaft und unser Mastermannschaft. Bereits am Morgen zeigte sich, dass dieser Wettkampftag alles andere als gewöhnlich werden würde. Die Schießampel sorgte immer wieder für technische Probleme. Mal fiel der Ton aus, dann einzelne Ampeln, schließlich musste zeitweise sogar wieder mit Fahnen und Trillerpfeife gearbeitet werden. Schützen, Trainer und Kampfrichter improvisierten gemeinsam und meisterten die ungewohnte Situation mit viel Geduld und Nerven.

Sportlich lief es dagegen nahezu perfekt.

Die Jugendmannschaft wurde zunächst von Andreas Blaschke (Bezirkskader München) betreut, bis er zum Bronzefinale seiner Ebersberger Damenmannschaft musste. Es fühlte sichfür Kerstin an wie im Vorjahr, denn ab jetzt übernahm sie das Coaching und wurde von Nóra, die trotz Verletzung angereistwar, unterstützt.

Kerstins Ablösung bei der Mastermannschaft waren Rainer und Péter.

Wie schon im Vorjahr lagen unsere Jungs zunächst auf Rang zwei. Doch Passe für Passe arbeiteten sich Johannes, Julian und Christian nach vorne. Ohne auf die Ergebnislisten zu schauen, konzentrierten sie sich ausschließlich auf ihre Schüsse. Erst Stunden später wagte Kerstin einen Blick auf den Bildschirm – und musste zweimal hinsehen.

Platz eins.

Wie schon ein Jahr zuvor in Dresden. Wieder das Freilos für das Finalschießen. Wieder beste Ausgangsposition.

Déjà-vu? Ganz genau.

Auch unsere Mastermannschaft überzeugte bei ihrer Finals-Premiere. Martin, Jari und Udo belegten einen starken 13. Platz. Für alle drei war bereits die Teilnahme an einer Deutschen Mannschaftsmeisterschaft als Team ein besonderes Erlebnis. Zwar reichte es am Ende nicht ganz für die Top Acht, doch Platz 13 bei der ersten gemeinsamen Finals-Teilnahme war ein starkes Ergebnis und machte Lust auf mehr.

Auf dem Weg ins Finale

Rainer sorgte durch die Organisation von zwei gut, mit Paninis, Würstchen in der Semmel und Kaffee, gefüllten Tüten für eine entspannte Mittagspause und die heiße Phasekonnte beginnen.

Im Halbfinale wartete ausgerechnet der PSV München – viele der Jugendlichen kennen sich seit Jahren aus dem Kadertraining und von zahlreichen Wettkämpfen.

Von Nervosität war bei unseren Jungs allerdings kaum etwas zu spüren, dies verdankten sie auch dem souveränen Coachingvon Andreas Blaschke, den sie gebeten hatten sie durch die Finals zu bringen. Johannes, Julian und Christian zeigten eine konzentrierte Mannschaftsleistung und entschieden das Münchner Derby souverän mit 6:0 für sich und damit den Einzug ins

Goldfinale!

Das Gold Team von Hannover
v.l.n.r.: Christian, Andreas, Johannes, Kerstin und Julian, vorne: Trudi

Never change a Running System, oder: Andi coachte die Mannschaft weiter und Kerstin ging als Agent vorne an die Scheiben – genau wie im Vorjahr in Dresden. 

Ob Aberglaube oder Erfolgsrezept spielte keine Rolle. 

Im Finale wartete Eberstadt – ein Gegner voller Kaderathleten und mit Match-Erfahrung. Die ersten beiden Satzpunkte gingen nach Waldtrudering. Dann sorgte eine gelbe Karte gegen Christian wegen eines Wechselfehlers für einen kurzen Schreckmoment. Doch statt Nervosität zeigte er Routine, rettete die Situation und verschaffte dadurch seinemTeamkollegen die entscheidenden Sekunden, um die 10 zu schießen.

Der Satz ging leider trotzdem verloren und Eberstadt gelang der 

Ausgleich zum 2:2.

Die Jungs blieben ruhig und vertrauten voll und ganz Ihrem Coach.

Andis Ansage war einfach:

„Arbeitet konzentriert an der Schießlinie. Eure Technik bringt die Zehner.“

Und genau das taten sie.

Pfeil für Pfeil.

Wenig später krachten zwei Pfeile fast ineinander – Kerstin hatte innerlich schon den Ersatzpfeilkauf eingeplant und griff auf die nonverbale Kommunikation mit den Schützern vorne zurück. Da sie nicht gleich feststellen konnte ob die Pfeile defekt sind oder nicht steckte sie die betroffenen Pfeile kurzerhand falsch herum in die Röhre. Andi und die Jungs verstanden den Hinweis. Die Pfeile wurden eingehend geprüft und zum Glück müssen keine neuen Pfeile gekauft werdendarüber hinaus holten sich die Drei die nächsten 2 Satzpunkte und gingen somit mit 

4:2 in Führung.

Jetzt waren die Drei nicht mehr zu halten und bewiesen, dass sich die letzten Wochen voller Training gelohnt haben. Sie eröffneten den nächsten Satz gleich mit zwei Xern (das Höchste, was man erreichen kann) hintereinander und legten satte 28 Punkte vor. Eberstadt antwortete mit 27 Ringen, also war immer noch alles offen. Die nächsten drei Pfeile könnten die alles Entscheidenden sein. Es hieß noch einmal Fokus und sein Bestes geben, angespornt durch die gute Eröffnung gelang es Ihnen dann erneut einen Ring mehr als Eberstadt zu holen und es stand schließlich fest:

6:2 Endstand: Deutscher Meister Recurve Jugend männlich! Erneut.

Die Titelverteidigung war perfekt.

Zum zweiten Mal in Folge gewann dieselbe Mannschaft, in der gleichen Besetzung wie im Vorjahr, die Finals. Ein Beweis dafür, dass Bogenschießen zwar ein Einzelsport sein kann – Meistertitel aber oft im Team entstehen.

Oder, wie es das ganze Wochenende treffend zusammenfasste:

They did it again.

Meister-Titel verteidigt - Die drei Jungs mit ihren Medallien
v.l.n.r.: Christian Arenz, Julian Weise, Johannes Berner

An dieser Stelle möchten wir uns herzlich beim BC Ismaning und VSG Dingolfing dafür bedanken, dass wir uns Eure Schützen Julian und Simone „ausleihen“ durften um unsere Mannschaften zu vervollständigen. 

Ein großes Dankeschön gilt auch unserem Bezirkstrainer Andreas Blaschke, der bereits seit Monaten das Training dahin gehend begleitet und unterstützt hat damit unsere Jugend so weit kommt.

Zu guter Letzt gebührt das größte Dankeschön unseren Mitgliedern in der Abteilung und unserem Trainerteam, die dafür gesorgt haben, dass am Platz und rundherum alles läuftund so das Training und die Teilnahme an diesen Finals ermöglicht haben.