Geschichte des TSV Waldtrudering

Bis zum heutigen Tag ist die Recherche zur Geschichte unseres Vereins nur ein unvollständiger Versuch die Überlieferungen in einem sinnvollen Zusammenhang zu betrachten. Als belegt gilt, dass der heute 125jährige Verein Turn- und Sportverein München-Ost e.V. (der bis 1921 den Namen „Arbeiter-Turn-Verein München Ost“ trug) sein 1908 erworbenes Grundstück „Waldspielplatz Gronsdorf“ im Jahr 1924 verkaufte (in einigen Unterlagen „Turnerplatz“ genannt; entspricht dem heutigen Gelände der Turnerschule). Hier stand die Bierschänke desselbigen Vereins und eine Turnbaracke. Im selben Jahr gründete sich unser Verein. Ob es hier einen Zusammenhang gibt – wir wissen es nicht! Es war eine Zeit, die von Wirtschaftskrisen und Arbeitslosigkeit gezeichnet war, und Sport gehörte nicht zum Allgemeingut der Gesellschaft. Aus Aktenunterlagen überliefert ist, dass sich am 13.09.1924 ca. 40 interessierte Waldtruderinger Bürger im „Turmwirt“ trafen, um für Trudering und Umgebung einen eigenen Verein ins Leben zu rufen. Man einigte sich auf die Bezeichnung „Turn- und Sportverein München-Ost für Trudering und Umgebung“ – später nur noch Turn- und Sportverein Waldtrudering“ genannt. Als Gründungstag wurde der 1. November 1924 festgelegt. Gründungsmitglieder waren u.a. Bruno Seiffert (Vorsitzender), Otto Gassner (Kassierer) und Josef Stuttner (Schriftführer). Es waren Arbeiter und Angestellte, die mit sehr wenig Geld, geschweige denn Sportgerät, für den Sport in den eigenen Reihen warben, da sie damals schon erkannt haben, dass Sport mehr ist als launischer Zeitvertreib. Man übte sich in Leibesübungen auf dem Turnerplatz und ab 1930 in der Turnhalle der „Waldschule“ in der Waldschulstraße (wo heute der Kindergarten ist).

Zeitgleich bildete sich auch eine Fußball-Mannschaft – die „F.A. Waldtrudering“ unter Josef Forster, später „F.C. Waldtrudering“ genannt. Und es sonderten sich wohl 17 Jugendliche von den Turnern ab und bildeten eine Jugendmannschaft. Ihre ersten Betreuer waren die Herren Klein und Schmid.

aus dem Jahr 1925

Der Verein schloss sich dem Arbeiter-Turn- und Sportbund (ATSB) an, der seinen Sitz in Leipzig hatte. Zum großen Teil bestand also unser Verein in seinen Gründerjahren aus Turnern und Fußballern. Hinzu kamen am Ende der „Golden Twenties“ eine Stemmer-Riege, sowie eine Faustball-Mannschaft, und im Jahre 1929 begann man sich auch im Rahmen des Kinderturnens um die jüngsten Waldtruderinger zu kümmern.

Mitgliederzahlen der Anfangsjahre: 

01.01.1926:      70 Mitglieder

01.01.1927:      60 Mitglieder

19.05.1928:     52 Mitglieder

An größeren sportlichen Erfolgen und Veranstaltungen gibt es aus jenen Jahren nicht viel zu berichten – nur im Jahr 1927 nahm eine Turner-Riege am Turner-Tag in Leipzig teil. Über die sportliche Ausbeute dieser Reise ist leider in den Annalen nichts zu finden.

Die Beiträge im Jahr 1925 betrugen

Männer         0,50 Reichsmark pro Monat          Jugend          0,30 Reichsmark pro Monat

Frauen          0,40 Reichsmark pro Monat          Kinder           0,25 Reichsmark pro Monat

Auch zur damaligen Zeit musste man sich immer wieder mit steigenden Kosten auseinandersetzen. Im Jahr 1926 wurden daher die oben angeführten Beitragssätze um 0,10 Reichsmark erhöht, wobei allerdings in der gleichen Sitzung beschlossen wurde, dass bei Erwerbslosigkeit der Beitrag ausgesetzt werden kann. Die Arbeitslosigkeit stieg in diesen Jahren rapide an, daher auch die sinkenden Mitgliederzahlen. (Im Übrigen: Auch heute noch entscheiden unsere Vorstände in diesem Sinne – wer Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch erhält oder den Mitgliedsbeitrag aus anderen Gründen nicht zahlen kann, dessen Beitrag kann ausgesetzt werden.)

1931/32 – im Zuge der Eingemeindung – wurde dem Verein lt. Stadtarchiv zugesagt ihm das heutige Gelände am Rotkehlchenweg, zwischen Wasserburger Landstraße und Bussardweg, als Sportplatz in Pacht „…weiterhin…“ zu überlassen. Es fand also irgendwann auf Grund der Planungen zum Schulbau der „Ostmarkschule“ (heutige Turnerschule) ein Ortswechsel vom „Turnerplatz“ zur Wiese am Rotkehlchenweg statt (hieß vor der Eingemeindung: Hubertusstraße). 1931 errichteten die Mitglieder (!) in Holzbauweise einen Aufenthalts-, einen Umkleide- und einen Waschraum. Für die damalige Zeit eine stolze Errungenschaft. Diese Heimat blieb allerdings nur bis 1933 erhalten.

ein Luftbild des Geländes von 1938 (mit der Hütte vor dem kleinen „Wäldchen“ – heute unser Bogensportplatz)

Da unser Verein dem Arbeiter-Turn- und Sportbund angehörte (ATSB), wurde er 1933 – wie viele andere Vereine – verboten und sein Vereinsvermögen von ca. 800 Reichsmark beschlagnahmt. Der Sportplatz wurde in den folgenden 12 Jahren von der NSDAP genutzt.

Die Arbeitersportbewegung war eines der wichtigsten gesellschaftlichen Bindeglieder in der Weimarer Republik. Sie wurde durch die Nazis zerschlagen. Der ATSB hatte seinerzeit über 1 Million Mitglieder und war somit eine der erfolgreichsten Organisationen der proletarischen Bewegung und wurde stark von der SPD geprägt. Auch im Sport sollte es eine klassenfreie Gesellschaft geben. Die politischen Auseinandersetzungen prägten den Arbeitersport nicht nur, sondern rissen ihn letztendlich Ende der 20er Jahre in zwei Lager: Die kommunistisch geprägten Sportler, die sogenannten “Rotsportler” bildeten einen eigenen Sportbund, die “Rote Sporteinheit”. Nach 1945 gründeten sich in den westlichen Besatzungszonen zwar etliche Arbeitersportvereine neu, allerdings unter anderen Vorzeichen: Sport sollte unpolitisch sein. Jürgen Mittag, Professor an der Deutschen Sporthochschule Köln: „Das war ein Anliegen, was von allen Westalliierten sehr stark verfolgt worden ist. Es ist sehr stark Wert drauf gelegt worden …, dass die gesellschaftliche Aufspaltung nicht mehr zum Tragen kommt und hat deswegen auch auf den Arbeitersport, auf die Arbeitersportvereine und auf die anderen Vorfeldorganisationen der Sozialdemokratie, der Arbeiterbewegung in nicht unerheblichen Maße Einfluss genommen.“ Es sollte im Sport keine Parteipolitik mehr, keine konfessionellen Voraussetzungen, keine militaristischen Tendenzen, keine Klassen- und keine Rassengegensätze mehr geben (BLSV Hrsg.: Sport – ein Weißblau-Buch, S.30).

Nach dem Zusammenbruch des „Tausendjährigen Reiches“ verschafften sich im August 1945 Teile der Gründungsmitglieder von 1924 von der Militärregierung die Genehmigung zur Wiedergründung des Vereins – Georg Petermaier, Gottfried Gegenfurtner, Georg Hansbauer und Josef Forster. Im September 1945 fanden sich erneut in der Gaststätte „Turmwirt“ an der Wasserburger Landstraße ca. 45 „alte“ und „neue“ Mitglieder zusammen, um den Turn- und Sportverein Waldtrudering wieder ins Leben zu rufen. Nach erfolgreichen Verhandlungen mit den entsprechenden Behörden konnte auch das Gelände von 1931 wieder übernommen werden. Die Fußballer kehrten auf ihren Platz zurück und die Turner wurden Gäste in der 1939 erbauten Turnerschule (sie hieß damals „Ostmarkschule“). Die Mitgliederzahlen schwankten stark und stiegen nur sehr langsam. Es herrschte große Armut und hohe Arbeitslosigkeit.

Der erste Eintrag im Registergericht als e.V. ist datiert auf den 01.03.1965 mit der Satzung vom 06.11.1964.

Im Gegensatz zu den Gründungsjahren vor und nach dem „Dritten Reich“ stiegen jetzt die Mitgliederzahlen rapide an:

1964            280 Mitglieder                  

1969            710 Mitglieder                  

1974            1420 Mitglieder

Höchststand im Jahr 2016 mit 3095 Mitgliedern.

Zu den bestehenden Abteilungen der Turner und Fußballer kamen im Laufe der Zeit eine Tischtennis-, eine Damengymnastik- und eine Kinderturnabteilung hinzu. Dieser kontinuierliche Anstieg ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass unter den Vorständen Erbertseder und Schäfer der Bau einer eigenen Turn- und Sporthalle geplant und am 13.09.1969 auch mit der Einweihung unseres jetzigen Sportheimes abgeschlossen wurde. Besonders der 2. Vorstand Johann Huber hat dieses große Projekt damals maßgebend betreut.

Im Herbst 1969 wurde auf Drängen des 2. Vorstandes Klaus Hagemann eine Handballabteilung gegründet, die nach einem Jahr einen Spielerstamm von 15 Mitgliedern hatte, jedoch im Jahr 1976 aufgelöst wurde.

1969 Gründung der Abteilung Volleyball.

1970 wurde die Bogensportabteilung gegründet. Die kleine Schar von 8 Schützen nutzte schon damals den Waldabschnitt neben dem Fußballplatz (siehe Luftbild). Bereits 1972 waren es 60 Schützen. Und dank vieler Eigenleistungen verfügte der Verein damals über eines der schönsten Trainingsgelände Deutschlands. Die Bogenschützen konnten im Laufe der Jahre große sportliche Erfolge feiern.

Im Jahr 1971 wurde die Ballettpädagogin und Tänzerin Annie Staab Mitglied des Vereins. Sie übernahm 1972 die Volkstanzgruppe und bot Kindern Ballettunterricht. Seither besteht die Zusammenarbeit mit der später gegründeten Ballettschule von Annie Staab, die 2014 von ihrer Schülerin und späteren Mitstreiterin Regina Rüger übernommen wurde. Legendär sind die wunderbaren Ballettaufführungen mit eigener Choreographie, an der alle Ballettschüler*innen von klein bis groß teilnehmen.

1972 konnten im TSV Waldtrudering die Sportarten Ballett, Basketball, Bogenschießen, Damengymnastik, Fußball, Handball, Kinderturnen, Tischtennis, Turnen (für Männer und Frauen) und Volleyball angeboten werden.

In den 70er-Jahren trainierten in unserer Sporthalle auch einige Betriebssportgemeinschaften, wie z.B. Rhode & Schwarz (Lehrlingssport), die Sportgemeinschaft Flughafen-Grenzpolizei und die Sportgemeinschaft Giesecke & Devrient. Gerade mit der Fa. Giesecke & Devrient verband den TSV Waldtrudering eine lange sportliche Zusammenarbeit auch hinsichtlich Fußball. Sie endete jedoch 2014.

Am 01.10.1973 nahm der TSV Waldtrudering für die ausgeschiedenen Basketballer eine neue Sportart auf: Stockschießen. Man glaubt es heute kaum, aber die Stockschützen waren mal sehr erfolgreich. Heute umfasst die Abteilung nur noch 9 Mitglieder, die uns aber nach wie vor treu zur Seite stehen.

Die Gründung der Abteilung Taekwondo erfolgte im Jahr 1974. Sie war Gründungsmitglied der Bayerischen Taekwondo Union und ist bis zum heutigen Tag eine der sportlich erfolgreichsten Abteilungen des Vereins und in jeder Hinsicht sehr gut organisiert.

Im Jahr 1976 konnten mit Unterstützung der Fa. Giesecke & Devrient am Bussardweg zwei Tennisplätze fertiggestellt werden. Einen davon nutzte ausschließlich die Betriebssportgemeinschaft von Giesecke & Devrient bis 2014. Danach wandelte man die Tennisplätze um in eine kleine Mehrzwecksportfläche mit Kunstrasenbelag. 2009 wurde aus dem roten Hartplatz ein Kunstrasenplatz.

Ebenfalls 1976 hinzugekommen ist die Abteilung Leichtathletik, sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche. Hier wurden insbesondere viele Sportabzeichen abgenommen. Die Abteilung wurde Ende 1978 bereits wieder aufgelöst.

Ende der 90er Jahre war die Turnabteilung so groß, dass man sie geteilt hat: Unter der Abteilung „Turnen/Ballett“ wurden die Bereiche Kinder-, Jugendturnen und Ballett organisiert. „Gymnastik und Tanz“ (später „Fitness/Prävention“ genannt) fasste den Erwachsenensport in diesem Bereich zusammen.

1998 wurde eine neue Sportstunde ins Leben gerufen: Romans Breakball. In diesem Wortspiel versteckte sich eine Funsportstunde für 10-14jährige. Man konnte sich austoben bei Badminton, Ropeskipping, Volleyball, Jonglieren, Basketball, Fußball, Indiaker, Frisbee, usw. Das waren die Anfänge von Ropeskipping – ein neuer Trend in Deutschland; später gab es innerhalb der Abteilung Turnen eine eigene Stunde „Ropeskipping“ und im Jahr 2005 gründete sich die Ropeskipping-Abteilung unter der Leitung von Claudia Simon. Die Abteilung bekam regen Zulauf und konnte schon bald sportliche Erfolge feiern.

Sportarten kamen und gingen: Basketball 2011 – 2018, Wun Hop Kuen Do 2013 – 2022.

Hallenzeiten wurden immer knapper und so suchte der Verein neue Möglichkeiten im Outdoorbereich. 2016 starteten wir mit regelmäßigen Angeboten zu Nordic Walking, Joggen (auch im Rahmen von Lauf10), später kam Crosslauf dazu. Und mit Radsport starteten wir 2017: eine wöchentliche Feierabend-Radlgruppe.

Ständig entwickeln sich neue Sportarten – sogenannte Trendsportarten. Seit 2017 gibt es „Spikeball“ – auch „Roundnet“ genannt – mit wachsendem Zulauf, insbesondere nach der Corona-Pandemie. Seit 2019 bieten wir Lacrosse an – eine Sportart, die dem Hockey ähnelt und in Deutschland noch nicht so verbreitet ist und wir hoffen, dass sich beide Abteilungen auch langfristig etablieren.

Zusammenfassend können beim TSV Waldtrudering im Jahr 2024 folgende Sportarten betrieben werden: Bogenschießen, Fitness/Prävention, Fußball, Lacrosse, Laufsport, Radsport, Ropeskipping, Spikeball, Stockschießen, Taekwondo, Tanzsport (Ballettschule Rüger), Tischtennis, Turnen und Volleyball.

Vorsitzende des TSV Waldtrudering

In den 100 Jahren seines Bestehens hat der TSV Waldtrudering das große Glück ehrenamtlich Tätige zu finden, die sich teils über Jahre hinaus der Allgemeinheit an der Spitze unseres Vereines zu Verfügung stellten und stellen. Und wir arbeiten daran, dass uns das auch weiterhin gelingt. Es gibt nichts worauf wir in unserem Verein so stolz sind wie auf das ehrenamtliche Engagement vieler unserer Mitglieder*innen.

1924Bruno Seiffert
1925Sportkamerad Klaes
1926 – 1928Bruno Seiffert
1929Sportkamerad Krause
1930Sportkamerad Flemmer
1931 – 1933Josef Forster
1933 – 1945Fehlanzeige
1946Ludwig Gruber
1947 – 1953Wilhelm Dietrich
1954 – 1958Josef Forster
1959 – 1960Rudolf Bacher
1961 – 1962Josef Forster
1963Leo Erbertseder
1964 – 1969Kurt Schäfer
1970 – 1975Hildegard Härtl
1976 – 1994Peter Pliet
1994 – 2000Reinhard Smolina
2001 – 2013Rudolf Rubenwolf
seit 2014Josef Bichler

Die Vereinszeitung des TSV Waldtrudering, das „Sportecho“ gibt es seit 1972 und wurde aus einer Idee des damaligen Vereinsmitgliedes K.-H. Ingenhaag heraus geboren und erschien zweimal im Jahr. Es sollte Informationen aus dem Verein im Allgemeinen, sowie speziell aus den Abteilungen liefern. Bis 2010 war das auch der Fall. Allerdings waren in den Abteilungen immer weniger Ehrenamtliche bereit einen ausführlichen Bericht zu schreiben. Und die Digitalisierung nahm auch bei uns immer weiter zu, sodass „Neuigkeiten“ seither ausschließlich auf der Homepage des Vereins veröffentlicht wurden. Die erste TSV-Homepage ging im September 2000 online. Dies ist in erster Linie unserem Mitglied und Webmaster Johannes Schmidt-Fischer zu verdanken (dem wir an dieser Stelle auch nochmal ganz herzlich für sein Engagement danken möchten). Im Zuge der Recherchen zur Geschichte des Vereins musste ich feststellen, dass insbesondere gerade die Berichte aus den (Gott sei Dank gesammelten) Sportechos hierzu wertvolle Informationen lieferten, die heute eigentlich kaum mehr jemand weiß. Ob nach weiteren 100 Jahren unsere Nachfolger im „World Wide Web“ noch tatsächlich Relevantes und Wahres finden werden? Immerhin haben wir im Jahr 2021 damit begonnen zur jährlichen Hauptversammlung ein Abteilungsberichtsheft herauszugeben.

Damit nichts verloren geht haben wir beschlossen auch die besonderen sportlichen Erfolge der verschiedenen Abteilungen in eigenen Berichten für die Nachwelt zusammen zu fassen. Diese werden nun nach und nach ebenfalls auf diese Seite eingestellt.

Es war mir eine große Freude und für mich äußerst spannend in die Geschichte des Vereins einzutauchen und diese für euch aufzuarbeiten.

Sibylla Högele